Extremzucht Hunde

Früher entstanden unterschiedliche Hunderassen, weil man Hunde für verschiedene Verwendungszwecke züchtete. Je nach dem welche Arbeit sie ausführten (etwa diverse Formen der Jagd, Hüten von Nutztieren, Bewachen von Haus, Hof und Herde) verfügten sie über unterschiedliche, ihrer Arbeit angepasste Körper- und Charaktermerkmale. Entscheidend für die Menschen war, dass die Hunde gesund und robust waren und die von ihnen geforderten Aufgaben tadellos erfüllten. Das einheitliche äussere Erscheinungsbild spielte eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders heute. Da Hunde bei uns in den allermeisten Fällen «nur» als Begleiter des Menschen gehalten werden ohne dass sie spezielle Aufgaben erfüllen müssen, wird heutzutage bei der Zucht sehr viel Wert auf die äussere Erscheinung gelegt. Für die einzelnen Rassen werden genaue Vorgaben erstellt und je exakter ein Hund diesen entspricht, umso erfolgreicher ist sein Züchter. Leider werden bei den Zuchtvorgaben einiger Rassen aber immer extremere Körpermerkmale gefordert: die kurze Schnauze soll noch kürzer werden, das lange Fell noch länger, die kurzen Beine noch kürzer und der Stummelschwanz soll am besten ganz verschwinden. Was die gesundheitlichen Folgen für die Hunde sind, wird dabei gerne vergessen. Besonders schlimm wirkt sich dies aus, wenn einzelne Rassen zu Modehunden werden. Dies geschieht oft, wenn prominente Menschen einen Rassehund besitzen oder auch wenn der Star eines erfolgreichen Films ein Rassehund ist. Wenn die Nachfrage nach einer bestimmten Rasse stark ansteigt, ist die Gefahr gross, dass auch unseriöse Züchter ins Geschäft einsteigen, weil in kurzer Zeit viel Geld verdient werden kann.

Zwei der beliebtesten (Mode-)Hunderassen in der Schweiz sind von dieser unguten und für die Tiere mit viel Leid verbundener Entwicklung besonders betroffen: es sind dies die Französische Bulldogge und der Chihuahua. Sie sind überall präsent in der Werbung, auf Bekleidungsstücken und auf vielen Produkten für Kinder. Und so wundert es wenig, dass diese Rassen auch bei Kindern oft äusserst beliebt sind und als sehr «herzig» empfunden werden.

Der Französischen Bulldogge wurde in den letzten Jahren die Schnauze geradezu weggezüchtet, so dass ihr Profil beinahe eine gerade senkrechte Linie darstellt. Ihre weit auseinander stehenden Augen treten stark hervor und ihr Schwanz wurde ganz weggezüchtet oder besteht nur noch aus einem kurzen geknickten Rest. Diese Veränderungen führen zu grossen, lebenslangen körperlichen Einschränkungen und oft auch Schmerzen. Durch ihre massiv verkürzte Schnauze leiden viele Französische Bulldoggen unter starker Atemnot. Da Hunde bekanntlich kaum schwitzen können, müssen sie über das Hecheln ihre Körpertemperatur regulieren. Französischen Bulldoggen ist dies aus anatomischen Gründen kaum möglich, so dass sie sehr leicht überhitzen und einen Kreislaufkollaps erleiden können. Ausserdem leiden sie unter vielen anderen starken körperlichen Beschwerden wie etwa Wirbelsäulenerkrankungen, Hautinfektionen, mangelhaftem Geruchssinn, eingeschränktem Sehfeld, Schwergeburten (bzw. Geburten nur durch Kaiserschnitt möglich) und vielem mehr.

Gerade auch weil der Chihuahua in den letzten Jahren von unseriösen Züchtern immer noch kleiner gezüchtet wurde und die Tiere je kleiner und niedlicher umso beliebter sind, leiden viele von ihnen unter schweren körperlichen Beschwerden. So ist ihre Schädeldecke sehr dünn oder schliesst sich im Bereich der Fontanelle oft sogar gar nicht mehr. Dadurch können versehentliche Schläge an ihren Kopf (etwa durch einen kleinen Sturz oder beim Spiel mit Artgenossen) sogar tödlich enden. Bedingt durch die Kleinwüchsigkeit neigen ihre fragilen Knochen leicht zu Brüchen. Häufig gehen mit dem Zwergwuchs auch ein Wasserkopf (eine schwere Missbildung im Gehirn) und grosse, hervortretende Augen bei denen die Gefahr eines Augenvorfalls (Hervortreten des Auges aus der Augenhöhle) besteht, einher.

Wenn man sich einen Rassehund anschaffen will, ist es daher ganz wichtig, dass man sich im Vorfeld gut darüber informiert, ob die Rasse für die man sich interessiert, unter rassespezifischen gesundheitlichen Problemen leidet. Nie darf nur das schöne, süsse Erscheinungsbild darüber entscheiden ob man sich für eine bestimmte Rasse entscheidet!

Hund im Titelbild
Das ist eine Bulldogge: kurze Nase, kurze Beine, hervorstehende Augen. So werden Hunde überzüchtet, damit sie als modisch gelten.

 

Ich weiss, dass ...

... es Hunderassen gibt, die an rassespezifischen gesundheitlichen Problemen leiden. Zum Beispiel der Shar-Pei mit seinen grossen Hautfalten, die zu Hautentzündungen führen. Oder die Französische Bulldogge, welche Atemprobleme hat, da dieser Rasse die Schnauze weggezüchtet wurde.
... Hunde aus Extremzuchten unter vielen starken körperlichen Beschwerden leiden wie etwa Wirbelsäulenerkrankungen, Hautinfektionen, mangelhaftem Geruchssinn, eingeschränktem Sehfeld, und Atemnot.
... gewisse Züchter immer extremere Körpermerkmale bei ihren Hunden züchten. Zum Beispiel soll die kurze Schnauze noch kürzer werden, das lange Fell noch länger und die kurzen Beine noch kürzer.

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